Kompositorische Entwicklung

Im Werkverzeichnis wird deutlich, dass sich in der Entwicklung des Stilistischen auch Zeitgeschichte widerspiegelt. Von 1941 bis etwa 1960 war das von David, Bartok, Strawinsky, Hindemith  geprägte traditionelle freitonale Komponieren typisch. An der Berliner Hochschule machten ihr Wagner-Regeny und Eisler Mut zum Komponieren. Nach der Integration der Zwölftontechnik Schönbergs, die sie an Bachsche Kontrapunktik erinnerte, folgte das individuelle Arbeiten mit atonalen Möglichkeiten in ihrer Musik. Durch politisch bedingte Erschwernisse beschaffte sie sich das ersehnte Schlüsselwerk „Musikdenken heute“ von Pierre Boulez. Die serielle Musik faszinierte sie, weil die „Ordnung“ in der Musik, die auch ihr das Zentrum bedeutete, um viele neue Parameter erweitert werden konnte.

Wesentliche Impulse gingen auch vom Schaffen Henzes, Lutoslawskis und Pendereckis aus, mit denen sie auch freundschaftlich verbunden war. Mitte der siebziger Jahre prägte sich ein unverwechselbarer Personalstil heraus. Sie selbst bezeichnete die 1976 im Gewandhaus Leipzig uraufgeführten „Canzoni alla notte“ für Bariton und Orchester nach Gedichten von Quasimodo als ihren „ schöpferischen „Befreiungsschlag“. Die Werke zeigten eine eigene Klangsinnlichkeit durch erweiterte polyphonen Satztechniken. Die Selbständigkeit der Stimmen wird bewusst auch auf Klangfelder, rhythmische Strukturen, Dynamik, Instrumentation, Klangfarben, Raum, Dramaturgie und Form ausgedehnt, auch die Verwendung von isomelischen Kanons. Wie die „Musik zu Bach“ für Orchester (1983) und etliche andere Werke zeigen, blieb Bach ihr stärkstes Vorbild, zumal sie seit ihrer Kindheit in Leipzig durch seine Musik geprägt wurde.

Auch Literatur, z.B. Thomas Mann, Robert Musil, Ingeborg Bachmann  und bildende Kunst, wie Dali, Hundertwasser, barocke Skulpturen, Architektur waren wichtige Inspirationsquellen. Deshalb auch oft der „goldene Schnitt“ in der formalen Gliederung ihrer Werke. Typisch für ihre Arbeitsweise sind graphische Skizzen für erste Ideen, Gefühle, Vorstellungen neben Werktagebüchern. Es entstanden seit Ende der fünfziger Jahre Instrumental- und Vokalmusik in verschiedensten Besetzungen, zahlreiche sinfonische Werke, Opern, Ballette, Film- und Hörspielmusik. Bedeutende Interpreten inspirierten sie häufig zu neuen Werken. Als Cembalistin schuf sie für dieses Instrument etliche Stücke, die sie, wie viele ihrer Orgelwerke, selbst aufführte. In den letzten beiden Jahrzehnten entstanden in Zusammenhang mit der Konversion zum katholischen Glauben überwiegend geistliche Vokal- und Orgelwerke neben einer großen Messe.